18 Wochen lang habe ich mein Meerwasserbecken begleitet und dokumentiert. Angefangen beim anrühren des Salzwassers, über die Platzierung der Riffkeramik bis hin zum ersten tierischen Besatz. Letztendlich waren einige Hürden zu nehmen, denn auch ich blieb (wie zu erwarten) nicht von Kieselalgen und Co verschont. Unter dem Strich hat es sich aber gelohnt und die Hürde in der „Königsklasse“ der Aquaristik ist trotz alledem weit weniger hoch als erwartet.

Tag 1 – Einrichten des Beckens

Samstag war es dann endlich soweit. Die geeignete Stelle war schnell gefunden und der passende Unterschrank wurde schon im Vorhinein gekauft. Natürlich bekam mein Aquarium ein schattiges Plätzchen im neu ausgebauten Schlafbereich. 

Als erste Arbeit habe ich den Bodengrund (Korallensand) und ein Aufbau aus Riffkeramik eingebracht. Gefüllt wurde das Becken mit reinem Leitungswasser aus dem Wasserhahn (ohne Salz). Sicherheitshalber kommt noch ein Wasseraufbereiter, der laut Hersteller meerwassertauglich ist, zum Einsatz. Die Beleuchtung bleibt eine Woche aus, aber Abschäumer, Strömungspumpe und Heizstab sind dauerhaft im Betrieb.

Warum nicht gleich Salz zumischen? Ich hab in einem Buch über den Einstieg in die Meeraquaristik gelesen, das man Kalkrückstände am Beckenglas größtenteils vermeiden kann in dem man das Wasser vor der Salzzugabe auf Raumtemperatur heizt. Aus diesem Grund mische ich das Salz erst morgen dazu, dann dürfte das Wasser auch die richtige Temperatur besitzen.

Tag 2

Mein Becken ist soweit eingerichtet und auf Temperatur, es wird Zeit das Salz zuzugeben. Mal kurz zusammen gerechnet! Das Meer in Freier Wildbahn hat in etwa 35g Salz pro Liter Wasser, mein Becken fast etwa 80 Liter brutto *rechne-rechne* macht in etwa 2800 Gramm Salz! Sicherheitshalber etwas weniger, also mal lieber so 2300 Gramm hinzugeben. Diese streue ich langsam in Pumpennähe ein um das verteilen/auflösen der Strömung zu überlassen – erinnert mich irgendwie an Kleister anrühren. 

Jetzt heißt es abwarten bis sich das Salz gut vermischt hat, zwei Stunden dürften dafür reichen.

Zwei Stunden später!

Mit dem Aerometer messe ich die Salzdichte, der erste Strich unter der Wasseroberfläche zeigt mir Dichte des Salz-Wasser-Gemisches an.

Die erste Messung ergibt eine Dichte von nur 1.021, was für ein Seewasserbecken mit Korallen zu wenig ist. Also nochmals etwa 300 Gramm Salz dazu und wieder 2 Stunden warten.

Nochmals zwei Stunden später!

Perfekt! 1.023 bei 25C das entspricht in etwa 35g/l, ab jetzt kommt eine längere Zeit des Nichtstun.

Mit dem warten der Beleuchtung handhabt es jeder anders. Viele richten ihr Becken gleich komplett ein und lassen das Licht ab der ersten Stunde laufen. Da ich aber Leitungswasser benutze, fahre ich lieber mit der langsamen  Einfahr-Methode. Das heisst, dass „Aggressive“ Wasser erst einmal ohne Licht laufen zu lassen, angeblich werden so Kalkrückstände vermieden. 

Tag 4 – Wasserwerte und Silikat

Heute wird es Zeit ein paar Wasserwerte zu messen. Fürs erste reichen mir Ph, Kh und der Silikatwert. Super, da ist auch schon mein erstes Problem! Meine bisherigen PH Tröpfchen habe einen Messobergrenze von 7.6 Ph. Das ist auf jeden Fall zu wenig für ein Salzwasserbecken. Da muss ich mir wohl neue besorgen.

Der KH Wert ist mit 9,5 annähernd perfekt. In der Meerwasseraquaristik strebt man irgendwas zwischen 9 und 12 KH an.

Ein kleiner Sorgenmacher ist das Silikat. Ich messe über 10mg/l und das ist bei weiten zu hoch. Laut Literatur sollten es max. 3 mg/l sein. Ist der SiO2 Wert zu hoch, entstehen Kieselalgen, die möchte ich aber so minimal wie möglich halten.

Da der SiO2 Wert zu hoch für den Test ist, muss ich das Ausgangswasser verdünnen und dann hochrechnen. Dafür benutze ich 8ml destilliertes Wasser und 2ml Aquarium Wasser. Bei dem Verhältnis von 4:1 muss der abgelesene Wert mal vier genommen werden. Grob über den Daumen macht das einen Wert zwischen 10 und 13 mg/l.

Für mich heisst das ab sofort nur noch destilliertes Wasser als Wechselwasser zu verwenden. Bei etwa 5 – 10 Liter wöchentlichen Wasserwechsel rentiert sich beinahe eine Umkehrosmoseanlage, aber vorerst muss der Supermarkt herhalten.

Da ich vor dem Einsetzen des „Impf-Sandes“ den Silikat Wert noch etwas nach unten korrigieren möchte und eine komplette Neubefüllung ausgeschlossen ist, muss ein Silikat Absorber herhalten. Die Harze sollen für 3-4 Wochen das vorhandene Silikat binden und müssen dann entsorgt oder ausgetauscht werden.

Den Beutel hänge ich an eine gut umspülte Ecke im Aquarium. Bei meinem Becken einfach nur in die letze Filterkammer vor der Strömungspumpe.

Jetzt heisst es abwarten und hoffen das in 2 – 3 Tagen der SiO2 Wert gesunken ist.

Tag 6 – Mit Leben impfen

Die Zeit ist gekommen um das „Tote“ Becken mit leben zu impfen, dazu wird etwas Sand und ein Lebendstein aus einem laufenden Becken hinzu gegeben. Vorher messe ich aber nochmals Salzdichte und vor allem den SiO wert.

Salzdichte ist perfekt, wieso sollte das auch anders sein. Es ist aber schon der Wahnsinn wieviel Wasser in einer Woche verdunstet ist. Insgesamt habe ich jetzt schon knapp 3,5 Liter Wasser nachgefüllt. Da nur reines Wasser Verdunstet, darf auch nur reines (destilliertes) Wasser zugegeben werden. Einfachheitshalber hab ich mir an einer nicht sichtbaren Stelle am Aquarium einen kleinen Strich in der Höhe der Wasseroberfläche gezeichnet. Somit muss ich beim Nachfüllen nicht ständig die Salzdichte kontrollieren, sondern fülle nur bis zur Markierung auf.

Natürlich wurde auch der SiO2 Wert getestet und siehe da, tatsächlich ging der Wert in den 2 Tagen deutlich nach unten.

Diesmal wurde das Aquarienwasser sogar unverdünnt gemessen und zeigt etwa 2,5 mg/l an. Es sieht auf dem Foto nicht so aus, aber die Farbe tendiert deutlich ins grüne. Zweimal habe ich es probiert so zu fotografieren das man es auch erkennt, aber jedesmal schimmerte das Wasser im Reagenz blau – doofe Kamera. Für mich Grund genug um Abends mit dem „Impfen“ anzufangen.

Endlich Abend!

Von einem Bekannten bekam ich eine Tasse alten Bodengrund und einen kleines Stück Lebendgestein. Diese wurden einfach nur ins Becken gelegt und dienen als biologische Initialzündung.

Ab jetzt wird auch die Beleuchtung zugeschaltet. Für die erste Woche leuchten die 14.000K LED´s für knapp 6 Stunden am Tag. Jede weitere Woche wird die Beleuchtung um jeweils eine Stunde verlängert, bis am Ende 10 Stunden erreicht sind.

Jetzt kommt die schlimmste Zeit für jeden Meerwasser Aquarianer! Kiesel- und Schmieralgen werden sich gleichmäßig im Becken verteilen und danach werden Faden bzw. Büschelalgen das Becken übernehmen. Erst wenn diese Phase abgeschlossen ist und der Nitrit- und Nitratgehalt, sowie das Ammonium/Ammoniak, auf ein meerwasserfreundliches Niveau fallen, können die ersten niederen Tiere eingesetzt werden. Bis dahin ist es aber noch ein langer und unansehnlicher Weg. Andererseits ist es auch interessant die einzelnen Phasen zu beobachten.

Tag 9

Irgendwie tut sich bis jetzt nichts im Aquarium. Von Kieselalgen kein Spur und auch so konnte ich keine Veränderung feststellen. Es scheint so als würde sich das “Leben” etwas Zeit lassen, vielleicht bin ich auch etwas zu ungeduldig.

Werde am Wochenende einmal den Ammoniak/Ammonium Gehalt messen. Dieser sollte sich als erstes ändern und in die höhe schnallen, bevor die dadurch entstehenden Bakterien das Ammoniak in Nitrit umwandeln. Wenn beide Werte ihren Peak (Höchststand) erreicht haben (und wieder gefallen sind), dürfte das Becken “biologisch” stabil sein. Das kann aber dauern, drei bis vier Wochen sind dabei keine Seltenheit.

Tag 10

Habe heute wieder ein paar Tests gemacht. Neben PH und Ammonium wurde wiedermal das Silikat gemessen. Der Absorber scheint richtig gute Arbeit zu verrichten, denn dieser liegt bei nur mehr 1,6mg (eher darunter).

Der PH liegt bei 8,5 (endlich einen neuen meerwassertauglichen Test von Sera gekauft) und ist damit perfekt.

Das Ammonium zeigt immer noch 0,0 an, evtl. leistet der Abschäumer noch gute Dienste und verzögert das Einfahren etwas. Der niedrige Silikatwert verhindert anscheinend das Bilden von Kieselalgen, denn bis jetzt bin ich von der braunen „Pest“ verschont worden.

Am Wochenende werde ich mir eine Meeresalge besorgen um endlich mal etwas Abwechslung in das Becken zu bringen. Die Alge unterstützt das Einfahren des Beckens. 

Tag 13 – Die Algen kommen

Heute nach fast 2 Wochen kamen sie, die Kieselalgen. Sie kamen über Nacht, und breiteten sich über den Bodengrund aus. Mein vorher noch strahlend weißer Sand ist jetzt nur noch braun.

Das ist ja eigentlich ganz gut, denn das bedeutet nur das mein Aquarium langsam beginnt zu leben. Also läuft eigentlich bisher alles nach Plan. In ein bis zwei Wochen sollten die ungeliebten Grünalgen kommen und nach weiteren 6 bis 10 Wochen sollten diese den Platz für Kalkrotalgen frei machen. Zumindest steht es so in vielen Literaturen.

Heute wird auch noch zur biologischen Unterstützung eine höhere Algenart eingesetzt. Zum Einsatz kommt die oben schon erwähnte rote Alge. Diese wächst kontrollierter und soll die vorhandenen Nährstoffe abbauen.

Tag 14 (2 Wochen, 1 Tag)

In der heutigen Nacht habe ich endlich die rote Alge beigesetzt. Ab jetzt heisst es warten – leider. Die nächsten 8 Wochen kann ich nichts weiter tun als Scheiben putzen und dumm ins Becken Glotzen. Mittlerweile wurde die Beleuchtung auf 7 Stunden angehoben.

Tag 15 (2 Wochen, 2 Tage)

Massiver Ausbruch an Kieselalgen! Dachte ich vor ein paar Tagen noch ich könnte evtl. verschont bleiben, weil ja mein Silikat relativ niedrig geworden ist, wurde ich aber eines besseren belehrt!

Komischerweise fing es fast genau nach zwei Wochen an, also so wie es in meinem Buch beschrieben ist. Bin ja mal gespannt ob die Fadenalgen sich auch an den Zeitplan halten.

Tag 17 (2 Wochen, 3 Tage) – Den Wasserwechsel erleichtern

Die beste Zeit um einen Teilwasserwechsel durchzuführen ist ein Feiertag. Im Internet findet man hunderte Meinungen zum Thema TWW (Teil Wasser Wechsel) in der Einfahrphase Ja oder Nein. Ich für meinen Teil habe mich dafür entschieden. Später einmal, also nach der Einfahrphase, möchte ich 10 Liter Wasser pro Woche wechseln. In der Einfahrphase beschränke ich mich auf alle 2 Wochen und 5 Liter, man möchte ja das Unvermeidliche nicht unnötig hinauszögern.

Für den Wasserwechsel habe ich mir eine kleine Konstruktion gebastelt, nichts aufwendiges aber genau richtig um sich das Leben etwas zu erleichtern.

In dem Deckel eines leeren 5 Liter Behälters (links) bohre ich zwei Löcher. Ein kleines Loch, in dem gerade noch ein handelsüblicher Luftschlauch passt und ein größeres, in dem ich gerade so ein 16mm Schlauch stecken kann. Das ganze ist dann quasi Luftdicht aufgebaut.

Der gesamte Behälter wird unterhalb des Aquarium gestellt, während ich den große Schlauch mittels eines Bogens in das Aquarium stecke. 

Jetzt sauge ich am Luftschlauch wie ein kleiner Ochse. Kurz darauf bewirkt der so entstandene Unterdruck im Behälter, dass das Wasser aus dem Aquarium gesaugt wird. So bleibt mir wenigstens die salzige Kostprobe erspart.

Das frisch angesetzte Meerwasser wird einfach reingekippt. Das kann ich aber vergessen sobald Tiere im Becken sind, denn da muss das Wechselwasser ganz langsam dem Becken zugeführt werden.

Über die Kieselalgen schweige ich heut mal und lass ein Bild für mein Elend sprechen 😆

Tag 22 (3 Wochen, 1 Tag)

Es sieht nicht gut aus! Was nicht heißen soll das es schlecht läuft! Es sieht halt einfach nicht gut aus… im Becken. Man könnte fast glauben es hätte jemand Ahorn-Sirup ins Becken gekippt. 

Neben den Kieselalgen haben sich jetzt „hübsche“ braune Schmieralgen dazu gesellt und zu allem Überfluss klopfen auch schon die Fadenalgen an der Aquariumtür. Vielleicht ist es an der Zeit ein paar Werte zu messen.

  • KH                              = 8
  • PH                              = 7,8
  • NH4 (Ammonium)  <0,05 mg/l
  • NO2 (Nitrit)               = 0
  • NO3 (Nitrat)            = 1 mg/l
  • PO4 (Phosphat)     <0,02 mg/l
  • Sorgenkind Silikat = 1,6 mg/l
  • Ca (Calcium)           = 500mg/l
  • MG (Magnesium) = 1700 mg/l

Bis auf Silikat ist eigentlich alles im grünen Bereich. Das versöhnt mich wieder mit meinem Meerwasserprojekt, ein bisschen zumindest.

In der nächsten Woche werde ich nochmals ein paar Werte messen und Nitrit, Nitrat und Ammoniak (bzw. Ammonium) genauer unter die Lupe nehmen. Sollten diese Werte in Ordnung sein, spricht nichts gegen einen Erstbesatz (Schnecken oder Einsiedler).

Tag 26 (3 Wochen, 5 Tage)

Es sieht tatsächlich so aus als ob die Kieselalgen sich langsam verziehen, das ist schön. Allerdings merken die Fadenalgen ihrerseits, das mehr Platz zur Verfügung steht.

Am kommenden Wochenende werd ich nochmals die wichtigsten Wasserparameter messen. Denn langsam wird es Zeit das sich endlich was bewegt im Aquarium.

Tag 30 (4 Wochen)

Wie angekündigt habe ich heute ein paar der wichtigen Tests durchgeführt. Das ist deswegen von fundamentaler Bedeutung, da ich über den Erstbesatz (viele nennen ihn auch Testbesatz) nachdenke.

Erfreulicherweise fielen alle Tests zu meiner vollsten Zufriedenheit aus.

  • NH4 < 0,05 (Ammonium)
  • No2 < 0,01 (Nitrit)
  • NO3 < 0,5 (Nitrat)
  • PO4 < 0,02 (Phosphat)
  • Sio2 < 0,1 (*endlich* Silikat)

Auch mein Eiweißabschäumer scheint das “stabile” Milieu zu würdigen. Wusste er Anfangs noch überhaupt nicht was er machen soll, mal tat er tagelang gar nix, dann schäumte er wieder was das Zeug hält, hat er seit gut zwei Wochen einen gleichmäßige grünen “Abschaum” (nennt man das so).

Nächste Woche ist es dann fünf Wochen her, seitdem das erste Wasser seinen Weg in das Becken fand und vielleicht auch der Tag an dem ein kleiner Einsiedler ein neues zu Hause bekommt.

Tag 34 (4 Wochen, 6 Tage) – Der erste Besatz

Endlich war es dann soweit. Gegen 18 Uhr machte ich einen kurzen Abstecher zum Kölle Zoo. Meine ersten vier Bewohner heißen offiziell „Calcinus Elegans“, ich bin ja so stolz. Der blaue Einsiedler Krebs, auch “Cali” genannt, dient als Erstsiedler und Qualitätsindikator. Gefällt es ihn, dann können die Wasserwerte nicht die schlechtesten sein. 

Hauptnahrungsquelle der Einsiedler sind ja bekanntlich Algen, diesbezüglich brauche ich mir zum Glück ja keine Gedanken machen.

Meine Wasserwerte sind immer noch optimal, einzig KH und PH machen mir etwas sorgen. Der KH wert ist nunmehr auf 7 gesunken, genau wie der PH Wert, der jetzt bei nur noch 7.6 liegt. Ich vermute das mein destilliertes Wasser für den kleinen Sturz verantwortlich ist. Beobachten heisst nun die Devise.

Tag 41 (5 Wochen, 6 Tage)

Heute habe ich nochmals alle Tests durchlaufen lassen. Der Grund ist ganz einfach, ich möchte mir endlich meine erste eigne Koralle kaufen. Welche weiß ich noch nicht, aber die Werte sind alle im grünen Bereich. Selbst der KH Wert hat sich wieder eingestellt und liegt wieder bei 8.5. Einzig das Silikat ist leicht angestiegen. Von fast nicht nachweisbar, zu immer noch sehr guten 0,3 mg/l.

Einer meiner Einsiedler Krebse leidet anscheinend an kolossaler Selbstüberschätzung, anders kann ich mir sein viel zu großes neues Domizil nicht vorstellen.

Vielleicht bin ich ja auch selber Schuld, denn für Ersatz-Behausungen muss der Aquarianer sorgen und einige davon fielen vielleicht zu groß aus.

Tag 44 (6 Wochen, 2 Tage) – Die ersten Korallen

So! Wie angekündigt habe ich mir endlich eine Koralle gegönnt, oder sagen wir besser zwei. Ja ich habe groß zugeschlagen und mir neben einer Euphyllia auch eine Fingerkoralle besorgt.

Das war aber eine hitzige Diskussion! Die Korallen die er mir empfahl, haben mir nicht gefallen und die die ich wollte, hat er mir nicht empfohlen. Letztlich kann ich mich aber optisch, sowie Einsteigerfreundlichkeit nicht beklagen.

Einen coolen Tip gab mir der Händler mit auf dem Weg. Vor dem umsetzten der Koralle, aber erst nach der Temperaturangleichung im Aquarium, soll ich einfach nur einen oder zwei kleine Schnitte in die Folie stechen. Dadurch findet ein geringer Wasseraustausch statt und das Tier gewöhnt sich so sanft an die neuen Wasserverhältnisse.

Nach knapp 30 Minuten kann die Koralle an dem ihren vorgesehen Platz gelegt werden.

Tag 45 (6 Wochen, 3 Tage) – Die Clowns kommen

Neuer Besatz im Miniriff. Ich wollte zwar nie, aber irgendwie sind sie doch bezaubernd. Die Rede ist vom “Amphiprion ocellaris” der falsche Clownfisch. Ein Nach Zuchtpärchen, das für Nachzuchten nicht unüblich Anemonen meidet und von vielen Meerwasser Aquarianern auch Salzwasserguppys genannt wird. Vermutlich nicht zu unrecht, sind diese bezaubernden Tierchen relativ günstig in der Anschaffung und äußerst robust. 

Tag 55 (7 Wochen, 6 Tage)

Heute habe ich das Puztpersonal etwas aufgestockt. Drei verschiedene Tierchen haben ihr Quartier bezogen und beginnen hoffentlich bald mit der ihrer zugedachten Tätigkeit. Spektakulär ist der Zuwachs nicht, neben einer Handvoll Turboschnecken  (Turbo fluctuosa), 3 Rote Einsiedler (keine Ahnung welche), kam auch noch ein Seeigel (Mespilia globulus) dazu.

Der Seeigel schleppt allerhand Zeug mit sich herum, angeblich tarnt er sich damit. Ich denke eher das ich einen „Messi“ erwischt habe, denn manchmal ist er echt voll bepackt.

Tag 58 (8 Wochen, 2 Tage) – Erneuter Algenbefall

Wo kommen die auf einmal her? Die Rede ist von Fadenalgen! Die grünen Überlebenskünstler scheinen sich wieder vermehrt zu haben, schuld daran wird vermutlich die erhöhte Fütterung sein. Zum Glück nur an 5 – 6 überschaubaren Stellen, also werde einen Teufel tun und einfach nur abwarten

Das Füttern werde ich dennoch etwas reduzieren. Hoffe mal das sich die Algen in den nächsten paar Tagen zurückziehen, oder bestenfalls verschwinden.

Tag 65 (9 Wochen, 2 Tage)

Einen Schei… taten sie! Trotz guter Wasserwerte wachsen meine Fadenalgen prima!

Ich gebe zu es sieht echt unansehnlich aus und ich könnte kotzen weinen. Hilft ja nichts, jetzt nur die Nerven behalten. Zum ersten mal bin ich froh ein kleines Aquarium zu besitzen, denn nach knapp 30 Minuten (bin selber überrascht wie schnell das ging) wurde Wasser gewechselt, die Deko gereinigt und der Abschäumer gesäubert.

Danach konnte man mein bestes Stück wieder ansehen ohne in Tränen auszubrechen. Den Tieren hat der Reinigungstag nicht sonderlich gestört.

Tag 70 (10 Wochen) – Der Hase kommt

Ein neuer Untermieter hat sich in mein Becken eingeschleimt! Untermieter? Eingeschleimt? Von einem bekannten habe einen Seehasen bekommen. Für so einen schönen Namen ist er echt ein hässlich. Frag mich wirklich wie man auf so einen Namen kommt?

Auf jeden Fall ist der fleißig ohne Ende, ich denk das ich ihn bald wieder zurückgeben kann. Seine irre Fressleistung kann man gut an der Rotalge erkennen. 

Oben vor und unten fünf Tage nach dem einsetzen von „Freddy Krüger“, wie ich ihn mittlerweile liebevoll nenne.

Anfangs dachte ich noch er macht sich über meine komplette Rotalge her, aber anscheinend steht er nicht auch Rot. Die Fotos sind jetzt kein Witz und die Bilder sind auch nicht vertauscht oder so. Er hat tatsächlich nur die Fadenalgen verspeist.

Tag 71 (10 Wochen, 1 Tag)

Heute habe ich mich dazu hinziehen lassen einen fast 2 Kilo schweren Lebendstein einzubringen. Vielleicht erhoffe ich mir dadurch ein besseres Aquarium Milieu. Auf jeden Fall sieht er echt super aus und wirkt natürlicher als die künstliche Riffkeramik.

Er wirkt auf dem Foto bauchiger als er tatsächlich ist. Ich habe ihn so in die Riffkeramik eingeklemmt, dass er leicht über den Boden schwebt (etwa 3-4cm), vielleicht wirkt er deswegen etwas füllig.

Tag 75 (10 Wochen, 5 Tage)

Oh Freude, oh Freude! Nicht nur das bald Weihnachten ist, nein auch mein Becken ist mittlerweile fast algenfrei. Fadenalgen erkennt man fast gar nicht mehr und das Wasser ist super klar.

Zum vergleich möchte ich euch nochmals das Foto vor einer Woche Zeigen! Ein unterschied wie Tag und Nacht.

Das ist aber noch nicht alles was mir aufgefallen ist. An meiner kargen und weißen Riffkeramik wachsen langsam Kalkrotalgen. Diese kamen quasi über Nacht, zumindest gefühlt.

In vielen Fachbüchern kündigen Rotalgen das Ende der Einfahrphase an. Sollte ich nach knapp 11 Wochen die Einfahrphase überstanden haben?

Tag 92 (13 Wochen, 1 Tag)

Mein Mini-Riff läuft erfreulich stabil und die Werte haben sich auf einen stabilen und erfreulichen Wert eingestellt. Der Eiweißabschäumer muss nur noch wöchentlich gereinigt werden, dabei produziert er nur noch einen gleichmäßig und kontinuierlich Schaum.

Meine ehemals künstlich weiße Riffkeramik ist als solches nicht mehr zu erkennen und die Rotalgen vermehren sich.

Im großen und ganzen könnte ich mein Tagebuch jetzt beenden was soll ich noch groß schreiben?

Tag 126 (18 Wochen, 4 Tage) – Das Ende???

Fünf Wochen sind nach dem letzten Eintrag vergangen. Viel ist nicht passiert. Na gut, es kam noch eine Koralle dazu, aber im Großen und Ganzen bin sehr zufrieden mit meinem MiniRiff. 

Wie man sehr gut erkennen kann sind meine “Nemos” noch quickfidel und die Kalkrotalgen verbreiten sich weiterhin prima.

Eine Frage beschäftigt mich aber seit ein paar Wochen, nämlich „Wann hat man im Schlafzimmer Zeit ins Aquarium zu schauen?“  


Meerwasser Sets und Zubehör kaufen

Beim Kauf eines Komplett-Sets sollte man darauf achten das Abschäumer und Strömungspumpe dabei sind. Für kleine Zierfische (Grundelarten) sollten das Becken mindestens 60 Liter betragen.

Leider trifft man nirgends mehr das 60 Liter Dennerle Nano Marinus Cubes an. Das Becken ist zwar nur 60 Liter klein und beherbergt keinen richtigen Abschäumer, hätte aber von Salz bis Sand alles dabei um gleich mit dem Abenteuer Miniriff zu beginnen.

Eine kleine Empfehlung und von mir auch schon besessen, ist das „Sera Marin Biotop Cube„. Wer etwas sparen möchte kann zum älteren T5 Set greifen, dieser ist völlig ausreichend für Weichkorallen. Meinen Test dazu gibt es hier. Wer etwas mehr ausgeben will, darf gerne zur LED Variante greifen. Beide besitzen aber keine Strömungspumpe, sondern „nur“ eine Förderpumpe. Dafür sind beide Modelle mit einem UV-C Filter ausgestattet.

sera 31100 marin Biotop Cube 130 ein 130 l Meerwasser-Komplettaquarium mit PL-T5 Beleuchtung und Filtration
  • 130 l Meerwasser-Komplettaquarium mit PL-T5 Beleuchtung und Filtration
  • 4-Kammer-Innenfilter mit: Abschäumer PS 130, Filterschwamm, 2 Liter siporax, Heizer 150 W, UV-C-Klärer 5 W mit Vorschaltgerät und Förderpumpe STP 1000
  • Gebogenes Glas geschliffen und poliert
  • Maße: (B x H x T) 51 x 66,5 x 58 cm
  • sera marin Biotop Cube 130
Angebot
sera 31099 marin Biotop LED Cube 130 ein 130 l Meerwasser-Komplettaquarium mit LED Beleuchtung und Filtration
  • 130 l Meerwasser-Komplettaquarium mit LED Beleuchtung und Filtration
  • 4-Kammer-Innenfilter mit: Abschäumer PS 200, Filterschwamm, 2 Liter siporax Professional, Heizer 100 W, UV-C-Klärer 5 W mit Vorschaltgerät und Förderpumpe STP 1000
  • Gebogenes Glas geschliffen und poliert
  • Maße: (B x H x T) 51 x 62,6 x 58 cm

Das im Tagebuch vorgestellte “AquaMedic Blenny” wird nur noch in einer “Qube” Variante angeboten. Die Beleuchtung soll meiner mit drei LED Leuchten überlegen sein. Meinen Test findet ihr hier.


Es gibt noch weitere Anbieter von Meerwasser Komplett-Sets, mit denen ich leider noch keine Erfahrungen sammeln konnte. Dennoch kann es sich lohnen diese etwas genauer Anzuschauen.


Ansonsten kann man versuchen von der Pike auf ein eigenes Nano-Riff aufzubauen. Dafür gibt es auch einiges an Literatur.

Angebot
Nano Marinus Ratgeber: Meerwasser-Aquarien im Kleinformat
Inken Krause, Carsten Gretenkord - Herausgeber: Dennerle GmbH - Taschenbuch: 112 Seiten
14,95 EUR 10,76 EUR
Riffaquaristik für Einsteiger: Preiswerte Technik - pflegeleichte Tiere
Daniel Knop - Herausgeber: Daehne Verlag - Auflage Nr. 9 (23.10.2017) - Gebundene Ausgabe: 328 Seiten
29,80 EUR
Das Meerwasseraquarium: Von der Planung bis zur erfolgreichen Pflege (NTV Meerwasseraquaristik)
Dieter Brockmann - Herausgeber: Natur und Tier - Auflage Nr. 10 (06.11.2018) - Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
19,80 EUR
Meerwasseraquarium
Markus Mahl - Herausgeber: Aquarium West GmbH
29,95 EUR